Konzept

R(h)eine Street Art präsentiert die Vielfalt der rheinischen Szene mit besonderem Fokus auf Düsseldorf. Originalwerke werden hier zusammen mit Fotografien von Graffitis sowie weiterer Street und Urban Art präsentiert. Dabei treten die Fotografien der Werke im Freien in einen Dialog mit den Arbeiten, die für den Innenraum geschaffen wurden.

Ehemals als unterirdische Toilettenanlage genutzt, dient der Reinraum nach seiner Umgestaltung nun seit 2000 unter anderem als Ausstellungsraum. Er entwickelte sich seitdem zum Treffpunkt der alternativen Szene, wobei die ursprüngliche Architektur erhalten blieb und so den Aspekt des vielleicht auch etwas obskuren öffentlichen Raums in seinem Erscheinungsbild bewahrt. Als verbindendes Glied von ehemals urbanem Nutzungsraum und heutigem Kulturterritorium ist der Reinraum somit die ideale Ausstellungsfläche für Street Art: Ein Ausstellungsraum im Untergrund, mitten in der Stadt, den man dennoch ebenso wie die Street Art entdecken muss. Nur die hinabführenden Treppen und die von unten beleuchten Glasfließen offenbaren den Raum auf der belebten Straße. Der Reinraum erscheint dadurch als Stolperstein im Straßenbild. Weit entfernt von einer konventionellen Galerie bietet er nun eine Fläche für Konzerte, Partyreihen und Ausstellungen ab vom Mainstream.

Street Art in Deutschland floriert vor allem in den 80er Jahren. Aus den Wurzeln des Graffitis entsteht dabei eine Szene, die mit innovativer Kreativität und sozialkritischen Denkansätzen den Kunstbegriff modifiziert. Der urbane Raum dient als überdimensionale Leinwand und so wird auch das Düsseldorfer Stadtbild von der Street Art geprägt. Besonders die Jugendkultur benutzt dabei Graffiti und Street Art als Ausdrucksmittel. Vom Rest der Gesellschaft immer wieder kontrovers diskutiert, breitet sich damit eine facettenreiche Qualitätslandschaft der Kunst im öffentlichen Raum aus. Sie reflektiert, ironisiert oder kritisiert das urbane Geschehen und ist gleichzeitig mit der visuellen Gestaltung des Stadtbildes beschäftigt. Mittlerweile ist die Street Art längst durch Präsentationen in Galerien und Museen etabliert und tritt dabei immer mehr aus dem Kontext ihrer Ursprünge im urbanen Raum heraus. So wird sie besonders mit Graffitis – den Ursprüngen von Street Art, denen wir tagtäglich begegnen – in musealen Ausstellungen eher selten bewusst zusammengebracht.

So zeigt die kommende Ausstellung nun bewusst Street Art von rheinländischen Künstlern, die insbesondere in Düsseldorf präsent sind in einem Dialog mit gesammelten Fotos des durch Street Art geprägten Stadtbildes. Dabei passiert es natürlich automatisch, dass Künstler sowohl durch Fotos als auch Werke in der Galerie präsentiert werden – Dies soll allerdings als Zufallsmoment auf den Besucher treffen: Vielleicht erkennt er etwas im Ausstellungsraum durch die Fotos oder die eigene Erinnerung wieder? Durch die interaktive Realisierung der Ausstellung, indem Besucher nämlich die Fotowand aktiv mit ihren eigenen Zusendungen gestalten, wird die Wahrnehmung von Street Art in der Stadt reflektiert und dokumentiert. Anhand der präsentierten Fotografien werden die Besucher der Ausstellung für die Wahrnehmung von Street Art in der Stadt sensibilisiert.

Die Verknüpfung von Fotografie und Originalwerken kommentiert auch das Spannungsgefüge von Vergänglichkeit der Kunst im öffentlichen Raum. Nur mit Straßennamen versehen, präsentieren die Aufnahmen auch schlichtweg einen momentanen Zustand diverser Lokalitäten in der Stadt. Diese wiederrum sind der ständigen Veränderung ausgesetzt und stellen somit ein Gegengewicht zu den Werken dar, die für den Innenraum geschaffen wurden. Jene Werke wiederrum dienen durch ihre Vielfalt und die Diversität als kleiner Überblick der momentanen Entwicklung der Street Art in Düsseldorf, die vom Außen- in den Innenraum tritt.